Unternehmensbewertung


Wann braucht man eine Unternehmensbewertung?

  • Normalerweise bei einem Kauf oder Verkauf eines Unternehmens
  • Liquidation oder Insolvenzverfahren
  • IPO (Börsengang)
  • Fusionen
  • Gesellschafterwechsel bei Personengesellschaften
  • Management Buyout
  • Enteignung

Gemeinsam ist diesen Anlässen, dass sie alle zu einer Änderung der Eigentumsverhältnisse führen. Darunter ist zu verstehen, dass die Eigentumsrechte hinsichtlich des Anteils am Unternehmen von einer auf die andere Partei übergehen. Fehler bei der Unternehmensbewertung resultieren häufig aus mangelhafter Zieldefinition oder aus ungenauer Zusammenstellung der Vergangenheitsdaten.

Die verschiedenen Verfahren

Das Ertragswertverfahren

Dieses Verfahren dient zur Ermittlung des Bruttokapitalwerts der Unternehmung. Zukünftige Zahlungsein- und Ausgänge werden ermittelt und auf den heutigen Tag abgezinst. Dazu ist es wichtig, dass wir realistische zukünftige Zinssätze wählen und die zukünftigen Geldflüsse möglichst genau vorhersagen. Dies ist zugleich die grösste Challenge beim Ertragswertverfahren. Voraussetzung für eine zuverlässige Prognose ist somit logischerweise eine saubere Vergangenheitsanalyse. Diese wird klassischerweise in 6 Bereiche aufgeteilt:

  • Definition des Bewertungsgegenstandes
  • Darstellung der rechtlichen und vertraglichen Verhältnisse
  • Marktanalyse inklusive aller Produkte
  • Übersicht über die finanzielle Situation
  • Stärken und Schwächenanalyse
  • Analyse der Produktionskapazitäten, erforderliche Investitionen, Erschliessung neuer Finanzquellen und personelle Gegebenheiten

Da es sich um eine Zukunftsprognose handelt und das Management allenfalls auf verschiedene Marktveränderungen unterschiedlich reagieren wird, werden oft mehrere Szenarien durchgespielt und gerechnet. Diese werden mit einem Risikofaktor eingeschätzt und abgewogen. Daraus ergibt sich dann ein gewichteter Mittelwert.

Discounted-Cash-Flow-Verfahren

Wie auch beim Ertragswert, werden beim DCF Verfahren die zukünftigen Geldflüsse analysiert. Allerdings ist dies auf zwei unterschiedliche Arten möglich. Auf der einen Seite gibt es das Bruttoverfahren (Entity Approach) und auf der anderen das Nettoverfahren (Equity Approach).  Das Bruttoverfahren wird mit dem APV (Adjusted-Present-Value) und den WACC (Weighted Average Cost of Capital) gerechnet. Das Nettoverfahren bringt den Flow to Equity heraus, was dem Ertrag der Ertragswertmethode entspricht.

Details zur Berechnung finden Sie bei Wikipedia:
WACC
APV
Flow to equity

Keines der unterschiedlichen Verfahren ist dem anderen vorzuziehen. Da sie von unterschiedlichen Annahmen ausgehen, weichen die Resultate voneinander ab. Ein gewichteter Mittelwert kann schlussendlich Sinn machen und den Unternehmenswert gut abbilden.

Das Einzelbewertungsverfahren

Dieses teilt sich in die zwei Bereiche Liquidationswert und Substanzwert auf. Bei ersterem wird die Bilanz nach Güter untersucht, welchen ein Einzelzerschlagungswert zugewiesen werden kann. Mit dem Total werden anschliessend die Ablösebeträge der Schulden verrechnet.
Beim Substanzwert geht es mehr um den Wert, welchen das Fortbestehen des Unternehmens generiert oder aufrecht erhält. Die Ideologie dahinter ist, dass das Unternehmen mindestens soviel Wert ist, wie eine identische Neugründung eines gleichen Unternehmens. Die Aktiven und Schulden werden in betriebsnotwendige und nicht betriebsnotwendige Posten unterteilt. Aus der Praxis kennt man es dann oft, dass der Substanzwert schlussendlich mit dem Ertragswert in einem Mischverfahren verrechnet wird.

 

Häufige Fehler bei der Unternehmensbewertung

Mal abgesehen von zum Teil realitätsfremden Annahmen und Prognosen, kann die Ermittlung des Unternehmenswerts zu mangelhaften Ergebnissen führen. Häufige Fehler sind:

  • Ungenaue Definition des Bewertungsobjektes
  • Mangelhafte Vergangenheitsanalyse
  • Fehler bei der Abzinsung
  • Risiken werden ausgeblendet
  • Synergien von Fusionen falsch abgeschätzt
  • Vermeintlich genaue Daten nicht relativiert
  • Zu optimistische Prognose zukünftiger Erträge

 

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Interesse an diesem Beitrag. Ich hoffe Ihr Kauf oder Verkauf gelingt zu einem guten Preis. Sollten Sie betriebswirtschaftliche Hilfe in diesem Prozess benötigen, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mich kontaktieren. contact@baumann-finance.ch

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