IFRS für Manager


Was sie über IFRS wissen müssen

Im heutigen Blogbeitrag möchte ich drei Punkte aufführen:

  • Aufbau eines Abschlusses erläutern
  • Die einzelnen Bilanzposten beleuchten
  • Unterschiede zu den lokalen Bilanzierungsrichtlinien aufzeigen

Jeder Top-Manager der oberen Ebene sollte heute in der Lage sein Bilanzen zu lesen. Dieses Privileg ist nicht mehr nur dem CFO überlassen. Internationale Standardisierungsmassnahmen mit den IFRS (International Financial and Reporting Standards) machen die Lesbarkeit einheitlich und einfacher.

 

Herkunft und Grundlagen IFRS

Im Jahre 2001 wurden die früheren IAS (International Accounting Standards) umbenannt und überarbeitet. Es besteht aus einem Rahmenkonzept (Zielsetzungen, Prinzipien uund Definitionen) sowie den IFRS und IAS Standards als auch den Definitionen. Die Nummerierung erfolgt nach dem Datum der Veröffentlichung. Wenn Ihr Unternehmen kapitalmarktorientiert am europäischen Markt auftreten möchte, müssen alle IFRS Standards eingehalten werden.

 

Aufbau des Abschlusses nach IFRS

Ein IFRS-konformer Abschluss besteht aus Bilanz, Gesamtergebnisrechnung, Eigenkapitalveränderungen, Kapitalflussrechnung sowie Anhang und der Segmentsberichtserstattung. Sowohl Aktiva als auch Passiva werden in kurzfristige und langfristige Positionen gegliedert. Die Gesamtergebnisrechnung beinhaltet die Erfolgsrechnung und das sonstige Ergebnis (OCI=Other Coprehensive Income). Bei der Cashflowrechnung unterteilt man in Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit, jender aus Investitionstätigkeit und zum dritten aus Finanzierungstätigkeit.

 

Bewertung von Vermögenswerten und Schulden

Die gewählten Methoden der Bewertung und Bilanzierung müssen grundsätzlich beigehalten werden. Vermögenswerte und Schulden können auf unterschiedliche Weise bewertet werden, wobei in den Standards angegeben ist, welche Methode jeweils anzuwenden ist:

  • Fortgeführte Anschaffungs- und Herstellungskosten
  • Zeitwert (Fairvalue)
  • Zeitwert abzüglich Veräusserungskosten
  • Nutzungswert
  • Nettoveräusserungswert (Verkaufserlös minus der zum Verkauf anfallenden Kosten plus Vertriebskosten)

Sachanlagen

Diese Vermögenswerte sind zur Verwendung bestimmt, welche über ein Jahr hinaus geht. Normalerweise werden sie in der Bilanz zu fortgeführten Anschaffungskosten angesetzt. In den Folgeperioden können sie zwischen Anschaffungskosten und Zeitwert wählen. Wenn Anzeichen für einen Wertzerfall bestehen, muss ein Wertverminderungstest (Impairment) vorgenommen werden. Die allenfalls nötigen ausserplanmässigen Abschreibungen werden der Erfolgsrechnung des Berichtjahres belastet. Nach lokalen Rechnungslegungsrechten (OR, HGB) ist das Vorsichtsprinzip meistens höher bewertet. Daher werden da die Nutzungsdauern meistens kürzer angesetzt als im IFRS.

 

Immaterielle Vermögenswerte

Das sind Aktiven ohne physische Substanz, wie zum Beispiel Patente oder der Kundenstamm. Die erstmalige Erfassung erfolg analog zu den Sachanlagen. Anschliessend ist es wichtig herauszufinden, was die Nutzungsdauer ist. Wenn diese zu bestimmen ist, kann man zwischen der Anschaffungskostenmethode oder dem beizulegenden Zeitwert wählen. Wenn keine Nutzungsdauer bestimmt werden kann, unterliegt die Bewertung eines jährlich durchzuführenden Impairmenttests.

 

Finanzinstrumente

Diese können auf der Aktivseite wie auch auf der Passivseite auftauchen: Aktien, Anleihen, Darlehen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Derivate etc. Die Ersterfassung erfolgt mit dem beizulegenden Zeitwert, unter Berücksichtigung der Transaktionskosten (Kaufpreises). Für die folgenden Perioden kommt zur Anwendung:

  • Wertveränderung (z.B. Kursnotierung)
  • Finanzinvestitionen (mit Anschaffungskosten fortschreiben, wenn Werthaltigkeit noch besteht)
  • Fondsanteile werden ebenfalls mit Zeitwert abgebildet, doch das Bewertungsergbenis kommt in die OCI

 

Rückstellungen

Rückstellungen werden für wahrscheinliche, in der Zukunft eintretende, Verpflichtungen gebildet, welche heute noch nicht genau abgeschätzt werden können. Die Wahrscheinlichkeit muss vorhanden sein, dass ein Nutzenabfluss eintreten wird (zum Beispiel Garantieverpflichtungen, hängige Gerichtsverfahren oder ähnliches). Im HGB wird dabei von einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit gesprochen, was bedeutet erst ab 50%. Gebildete Rückstellungen werden über die GuV abgewickelt und in der Cashflowrechnung wieder dazugerechnet.

 

Latente Steuern

Steuern werden auf das Ergebnis bezahlt. Allerdings decken sich das Ergebnis nach IFRS und das für die Steuer massgebliche Ergebnis in der Regel nicht. In diesem Falle wird die Differenz der Steuern als Posten „Latente Steuern“ aufgeführt. Bilanziert wird das ganze unter dem Posten langfristige Schulden.

 

Ertragsrealisierung

In diesem Bereich wurde über Jahre sehr gerne getrickst. IAS 18 beschreibt, wann Umsätze im Unternehmen erfasst werden dürfen. Liefern sie zum Beispiel an einen Kunden mit offensichtlichen Finanzschwierigkeiten, dürfen die Umsätze erst nach dem Eingang der Zahlung verbucht werden. Oft wird mit dem Ansatz „Percentage-of-Completion-Methode“ bewertet. Je nach prozentualem Grad der Fertigstellung werden die erwarteten Umsätze und Kosten erfasst.

 

Gerne lege ich Ihnen aus persönlicher Erfahrung die Wiley Bücher ans Herz: Link

Auch den Youtube Channel von Silvia kann ich für eine Erklärung mit Videos herzlich empfehlen.

Die grosse Anzahl an Seiten des IFRS, mit rund 2500 Seiten, lässt manchen Manager erstarren. Jedoch entsprechen viele Sachen dem normalen Treu und Glauben und werden als logisch angeschaut. Gewisse Details die tricky sind, müssen jeweils im Detail angeschaut werden. Daher gibt es auch für fast jeden Artikel eigene Bucherscheinungen und Publikationen. Aber ihr CFO soll ja schliesslich auch noch etwas zu tun haben :-).

Wenn ich Ihnen bei etwas behilflich sein kann, melden Sie sich jederzeit gerne unter contact@baumann-finance.ch

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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